Frauen im Sport
"Wir halten es für wichtig, zur Veränderung der Strukturen beizutragen, diese frauenfreundlicher und motivierend für neue Mitarbeiterinnen zu gestalten."
Der Landessportbund Hessen e. V. (lsb h) ist der Dachverband aller hessischen Sportvereine und vertritt die Interessen von 2,1 Mio Mitgliedern, von denen 860.000 weiblich und 1.290.000 männlich sind. Das bedeutet, dass mittlerweile rund 40 Prozent der Mitglieder Frauen sind. Vor mehr als 50 Jahren sah das noch ganz anders aus. Nur 21 Prozent der Frauen fanden den Weg in die Sportvereine. Um die Beteiligungschancen der Frauen auch auf sportlichem Gebiet voran zu bringen, wurde der Landesausschuss Frauen im Sport vom lsb h ins Leben gerufen. Seitdem werden alle drei Jahre Frauen in dieses Gremium des hessischen Sports berufen, um sich für die Belange der Frauen im Sport (LA-FiS) einzusetzen. Sie engagieren sich für die Berücksichtigung der Interessen der weiblichen Mitglieder in den unterschiedlichsten Bereichen des Sports und der Gesellschaft, organisieren Lehrgänge zur sportlichen Fortbildung von Übungsleiterinnen und überfachliche Seminare, die zur Qualifizierung von Frauen für Führungsaufgaben beitragen sollen. Großen Zuspruch finden auch die Bewegungswochenenden, die jährlich auf dem Sensenstein bei Kassel vom Landesausschuss Frauen im Sport veranstaltet werden und die Frauenaktionstage in den Sportkreisen. Bei diesen Veranstaltungen werden wichtige Kontakte geknüpft, die für die weitere Vernetzung der Frauenarbeit Früchte trägt.
Die Arbeit in den vergangenen Jahren brachte den Vereinen verstärkt weibliche Mitglieder und auch Übungsleiterinnen. Frau treibt mittlerweile gerne Sport im Verein, trifft sich mit Gleichgesinnten, tut etwas für ihre Gesundheit oder hat einfach Spaß.
Für Ziele kämpfen
Das war nicht immer so. Frauen kämpfen seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland um das Recht auf Leibesübung. Der Sport im Verein war lange Zeit reine Männersache und Frauen hatten zu Hause zu bleiben. Anfangs durften die holden Damen zur Stärkung der Gesundheit nur Hausgymnastik betreiben. Auch sollten die Übungen so gewählt werden, dass sie dem Wesen des weiblichen Körpers entsprachen. Gymnastik und Tanz sollten Anmut, Sanftheit und Duldsamkeit fördern. Dies war allerdings der Einstieg in die Frauensportarten, die den Weg ebneten und den Damen dazu verhalfen, sich körperlich im Sportverein ertüchtigen zu dürfen. Seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts gibt es vereinzelte Berichte darüber, dass es sogar Ärzte gab, die auch die Forderung nach Bewegung der Frauen unterstützten. Sogar in einigen wenigen Turnvereinen gab es Männer, die den Gesundheitswert der weiblichen Leibesübungen anerkannten und die Gründung weiblicher Turnabteilungen unter diesem Gesichtspunkt zuließen. Seitdem hat der Frauensport einen weiten Weg zurückgelegt. Noch ist das Ziel aber nicht erreicht, dass Frauen und Männer gleichberechtigt die Sportarten betreiben können, an denen sie Interesse haben. Zwar ist das Sporttreiben des weiblichen Geschlechts gesellschaftlich anerkannter als früher, aber die immer noch männlich geprägte Organisation des Sports bietet den Frauen keine echte Gleichberechtigung. Obwohl beispielsweise der vor 150 Jahren nur für Männer zugängliche Turnerbund heute auf etwa 70 Prozent Frauen in seinen Vereinen blickt und mittlerweile Frauen sogar Fußball spielen und im Boxring gegeneinander kämpfen, wird auf ihre Interessen nicht die Rücksicht genommen, wie es ihrem prozentualen Anteil an den Mitgliedern entsprechen würde.
Männlich geprägte Sportorganisationen
Aber der Blick auf die eigene sportliche Aktivität ist noch nicht alles. Um ihre Interessen stärker einbringen zu können, müssen Frauen in der männlich geprägten Sportorganisation auch in einem anderen Bereich noch stärker aktiv werden. Und zwar in den Führungsetagen des Sports. Dort, so zeigen nicht nur die Zahlen, sondern auch die Fotos der Männerriegen, sind nur wenig Frauen vertreten. In den Sportvereinsvorständen beginnt sich die Situation zwar langsam zu verändern. Bis vor kurzem waren nur magere sechs Prozent der 1. Und 2. Vorsitzenden der Sportvereine weiblich. Nun steigt die weibliche Beteiligung in den Führungsgremien der Vereine. Die Nutzung von weiblicher Kompetenz beschränkt sich nicht mehr nur aufs Kuchen backen oder die Protokollführung bei der Vorstandssitzung, sondern zeigt sich in der Übernahme des Vereinsvorsitzes. Aber in den Vorständen und Präsidien der Verbände, Sportkreise und aller internationalen Sportorganisationen bis zum Olympischen Komitee liegt die Frauenrate bei rund zehn Prozent. Damit wird dort die Chance vergeben, weibliche Interessen und Sichtweisen stärker in die Sportpolitik einfließen zu lassen.
Positiv in die Zukunft
Obwohl die Frauen in Deutschland in den vergangenen rund einhundert Jahren durchgesetzt haben, dass sie ebenfalls öffentlich Sport treiben dürfen, bleibt noch viel zu tun, um die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch im Sport, seinen Vereinen und vor allem in seinen organisatorischen Hierarchie-Ebenen voran zu treiben. Packen wir es an, denn gemeinsam sind wir stark.
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Weitere Informationen:
Landessportbund Hessen e.V.
Referat Frauen im Sport
Karin Bauer
Otto-Fleck-Schneise 4
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Tel.: 069/6789-448
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